22 März 2016

Kommentar: Die Sucht nach Skandalen. - Über den Umgang mit Max Kruse.

Eigentlich kam es mir nicht in den Sinn einen Artikel über den Fußballspieler Max Kruse zu schreiben. Nun scheint seine Privatsphäre in Gefahr. Es kursieren private Sprachnotizen von ihm auf Whatsapp, ein Nacktvideo macht im Netz die Runde. Die Netzgemeinde beweist, was für ein hämischer Haufen sie sein kann. 

Natürlich hat Max Kruse es den skandalversessenen Klatschreportern und der Netzgemeinde auf Facebook, Twitter, Instagram oder Snapchat leicht gemacht. 75.000 Euro in einem Taxi liegen zu lassen oder auf seiner Geburtstagsfeier einer BILD-Reporterin das Handy zu entwenden und von ihm gemachte Aufnahmen zu löschen, sind nicht unbedingt die durchdachtesten Aktionen. Doch was Max Kruse nun an Spott und Häme erfährt, welche Geschütze gegen ihn aufgefahren werden, verletzt das Persönlichkeitsrecht.
Auch ein Prominenter hat das Recht auf eine Intimspähre. Diese gilt es in jedem Falle zu schützen. Bei Max Kruse wird sie durch das im Netz veröffentlichte Nacktvideo und seine privaten Sprachnotizen, die auf Whatsapp kursieren, eindeutig verletzt. - Die Sucht nach Skandalen gibt es nicht erst seit der Erfindung des Internets. Aber es hat die Verbreitung von intimen Fotos, Sprachmemos oder Videos enorm erleichtert. 
Eine ins Rollen gekommene Lawine nach der ersten Verbreitung im Netz aufzuhalten, ist unmöglich. Man denke an die massenhaft veröffentlichten Nacktfotos von Prominenten im "The Fappening"-Fall 2014. Bis heute kursieren diese Bilder und finden sich auf einschlägigen Seiten. Um sie aufzurufen, bedarf es keiner besonderen IT-Kenntnisse. 

Ja, Max Kruse hat sich mit Sicherheit charakterlich nicht einwandfrei verhalten. Daraus zog Joachim Löw sportliche Konsequenzen und strich ihn aus dem Kader für die kommenden Freundschaftsspiele der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen England und Italien. Auch sein Verein, der VfL Wolfsburg, wird mit Sicherheit Konsequenzen aus seinem Verhalten ziehen. Seine Person jedoch jetzt in aller Öffentlichkeit zu diskreditieren, ihn mit Spott und Häme zu überziehen, ist in keinem Falle gerechtfertigt.  

Ich finde es erschreckend wie schnell aus einem beliebten Fußballprofi, einem sympathischen Mann, ein Sündenbock gemacht wird. Die Lust am Skandal macht bei vielen Leuten offensichtlich nicht einmal vor persönlichen Sympathien oder der Anhängerschaft für Wolfsburg oder die Nationalmannschaft halt.
Jeder, der jetzt über Max Kruses Unbeholfenheit lacht, sollte sich fragen, was er tun würde, wenn private Bilder oder Videos von ihm im Netz stünden. Das Argument, er habe sich "ausgesucht" prominent zu sein, zieht nicht. Max Kruse spielt sehr erfolgreich Fußball. Er hat sich nicht alleine ins Rampenlicht gestellt. Er wurde dorthin gedrängt.

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