22 Juni 2014

Die Grenzen des guten Geschmacks. - Über Kommentare auf Facebook.

Seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern gehört zu den Grundrechten eines jeden Menschen. Zugesichert nicht nur durch Artikel 5 des deutschen Grundgesetztes sondern auch durch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen in Artikel 19. Beängstigend ist jedoch, welch Schindluder unter dem Schutzmantel der Meinungsfreiheit immer wieder in den sozialen Medien getrieben wird. Ein Kommentar über das Kommentarverhalten auf Facebook.

Kommentare auf Facebook machen es einem Menschen oftmals sehr einfach zum Menschenfeind zu werden. Was Internetnutzer über einander oder über Dritte äußern, ist oftmals beschämend, beleidigend und mitunter gar beängstigend. Die Grenzen des guten Geschmacks sind - das wissen wir alle - dehnbar und immer von subjektiver Färbung. 
Jedoch kann ich nicht umhin, mich immer wieder kopfschüttelnd darüber zu wundern, zu welch verbalen Blähungen wir untereinander fähig sind. Ob es nun rassistische, rechtsradikale oder verhöhnende Äußerungen sind - fast jeder öffentliche Facebook-Beitrag einer öffentlichen Person, eines Unternehmens, eines Bundesministeriums oder einer NGO wird zu einer Wortschlacht. - Diskussionen unter Beiträgen haben ihre Berechtigung. Jeder hat das Menschenrecht seine Meinung frei zu äußern. Doch in vielen Fällen werden die Grenzen dieses Rechts zumeist sehr weit ausgedehnt. Wer seine Meinung äußert, hat nicht das Recht die Meinung eines anderen ungebührlich einzuschränken. Im Grundgesetz ist die Meinungsfreiheit durch Artikel 5, Absatz 2 folgendermaßen beschränkt: "Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre." Gerade das Recht der persönlichen Ehre wird auf Facebook gerne einmal angekratzt. - 
Mit bangem Blicke verfolge ich wie sich sogar Personen, die sich untereinander kennen, einander ständig im Schul- oder Universitätsalltag begegnen, im Netz gegenüber einander zu Kommentaren hinreißen lassen, die sie einander niemals ins Gesicht sagen würden. - Es lässt sich darüber spekulieren, ob die immer wieder und viel zitierte "Anonymität des Internets" solche Eskapaden ermöglicht oder ob es die fortwährend bestehende Möglichkeit des Löschens seiner Kommentare ist, die Internetnutzer antreibt, einander Beleidigungen an den Kopf zu schleudern. -
Es fällt mir schwer meine Wut darüber zu unterdrücken. Facebook-Nutzer sind immer und zu jedem Zeitpunkt real existierende Menschen, die von harschen Äußerungen auf den Bildschirmen getroffen werden. - Rassismus, Rechtsextremismus und Beleidigungen gegenüber anderen Menschen haben im öffentlichen Raume nichts verloren. Das Internet ist ein öffentlicher Raum; und Facebook ist es auch. Es ist beschämend wie viel Hass Menschen einander gegenüber in Worten zum Ausdruck bringen können.

Anmerkung:
Dieser Artikel kritisiert das Verhalten von Facebook-Nutzern, die die Grenzen der Meinungsfreiheit übertreten. Er stellt in keinem Falle die freie Meinungsäußerung in Frage. De facto ist er selbst ein Stück freie Meinungsäußerung! 

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