28 April 2012

Macht Euch Gedanken! - Ein Kommentar.

Wieder ein mahnender Zeigefinger, wieder eine Aufforderung zu den Wurzeln des Journalismus zurückzukehren. Und warum? - Weil es notwendig ist! So kann es zumindest nicht weitergehen, findet Autor Tobias Lentzler.

"Schlechte Nachrichten sind die besten Nachrichten", so sagte Elliot Carver, der fiktive Medienmogul aus dem Bond-Film "Tomorrow Never Dies" von 1997. - Heute hat man eher das Gefühl, dass jede Nachricht begierig aufgegriffen, schnell gepostet und schnell wieder vom Netz genommen wird. Eine Auswahl, eine Korrektur, Überprüfung, Veredelung - alles Merkmale des Qualitätsjournalismus - werden nicht mehr vorgenommen. Es reicht nicht, dass unter Nachrichten das Kürzel "dpa" gesetzt wird und möglicherweise ein Redakteur der jeweiligen Online-Seite ein paar Änderungen vorgenommen hat - dafür lesen wir keine renommierten Online-Seiten wie "Stern online" oder "Spiegel online". Und auch nicht deren Printmagazine. Wir erwarten eine Einordnung in einen Kontext, welcher Gestalt auch immer. Sei er politischer, wirtschaftlicher, kultureller oder historischer Natur.
Gesammelte "ZEITmagazine", Foto: Tobias Lentzler
Eine Gesellschaft, die mit einer Fülle an Daten und Informationen konfrontiert ist, braucht Journalisten, die den Überblick behalten, die sich nicht an einer Nachricht verbeißen, sondern sie einordnen. - Die Echtzeitübertragung von Nachrichten führt zu einer automatischen Überforderung des gemeinen Internetnutzers. Was soll dieser von einer Welt halten, in der gleichzeitig ein Bombenanschlag nach dem anderen verübt wird, während irgendwo auf der Welt ein paar D-Prominente im australischen Dschungel um Beistand betteln? - Bei dieser Zuspitzung schüttelt hoffentlich jeder den Kopf. So kann es nicht funktionieren! - Wenn man nach dem prägendsten Ereignis des März 2011 (Erdbeben in Japan mit der anschließenden Havarie des Atomkraftwerkes Fukushima) fragt oder nach dem Zeitraum in dem Anders Breivik ein Massaker auf Utoya (Juli 2011) anrichtete, werden viele Menschen nicht antworten können. Es sei doch so viel passiert im Jahre 2011, sagen sie dann. - Das stimmt nicht! Es wird nur mehr nach außen transportiert. - Wie oft musste man letztes Jahr von Zsa Zsa Gabors Beinamputation lesen, wie oft von irgendwelchen Stürmen, die Namen bekamen und plötzlich zu großen Stars der Meteorologen wurden.

Liebe Journalisten, macht Euch eigene Gedanken! Sortiert, filtriert, falsifiziert, verifiziert und schreibt spannend, prägnant und schön. - Diese Anforderungen muss man in heutigen Zeiten an den Beruf des Journalisten stellen, damit er sich nicht selber überflüssig macht!

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