12 Dezember 2011

Essay: Jeden Tag ein neues Geheimnis.

Nun sind sie wieder hoch im Kurs. Die Jahresrückblicke auf das Jahr 2011. Was war das schon für ein Jahr: Eine logische mathematische Schlussfolgerung, behauptet Autor Tobias Lentzler.

"Evermore", Ian Hamilton Finlay.
(Foto: Tobias Lentzler, 2009)
365 Tage, 366 mit Schaltjahr, 52 Wochen und 12 Monate - das sind die Eckdaten eines Jahres. Und dieses Jahr wird von uns Menschen mit Leben befüllt. Katastrophen, Schicksale, Geburts- und Todestage. Wir geben Tagen Namen, brennen Daten in unser kollektives Gedächtnis ein, nur um uns später daran erinnern zu können. Wir erinnern uns an Zahlen, verknüpfen Bilder damit und recherchieren anhand der Daten die Ereignisse eines Tages. Wikipedia, der Brockhaus oder andere Enzyklopädien nennen uns wichtige Ereignisse, Todes- und Geburtstage - und wir erinnern diese Daten oft besser als das, was wir an jenem bestimmten Tage taten. Vielleicht halten wir uns für zu unbedeutend, als uns an einen belanglosen Tag wie jeden anderen zu erinnern. Wer allerdings einmal begonnen hat ein Tagebuch zu führen oder Notizzettel, Texte oder Kalender mit Daten zu füllen, der wird schnell merken, dass es Spaß macht sich zu erinnern. Erinnerungen geben uns Aufschluss über uns selbst, den Zustand in dem wir uns befanden oder befinden, die geistige, die persönliche Entwicklung. Jeder Tag hat sein Geheimnis, so singen es schon die Tage in Rolf Zuckowskis Musical "Der kleine Tag". Vielleicht gibt es Tage die wichtiger sind als alle anderen, vielleicht gibt es Tage die absolut belanglos sind, doch es kommt immer auf den Standpunkt des Betrachters an. Während der 12.12.1915 für mich unerreichbar und fern scheint, könnte er 2015 ekstatisch gefeiert werden. An jenem Tage wurde nämlich Ol' Blue Eyes - Mr. Frank Sinatra geboren. 2015 wäre der Tag seines einhundertsten Geburtstags. Vielleicht ist auch der heutige Tag wieder in die Geschichte eingegangen - vielleicht geschahen heute auf lange Sicht gesehen weltbewegende Dinge. Vielleicht war dieser Tag aber auch einfach nur eines - eine logische mathematische Entwicklung. Auf die 11 folgt nun einmal die 12. Und auf die 12 die 13. Nach dem 31.12. diesen Jahres wird die Jahreszahl gewechselt - die Namen der Tage und die Zahlen bleiben diesselben. Sie verändern sich nicht - es sind nur wir Menschen, die die Tage verändern, sie besonders oder unbedeutend machen.
Die Welt wird sich auch ohne uns weiterdrehen - wir sollten uns nicht zu wichtig nehmen und uns nicht zu oft an die Vergangenheit erinnern. Der Moment, die Gegenwart - das ist das, was zählt. Es geht nicht um langfristige Vorausplanungen unseres Lebens. Wenn wir einen Moment intensiv Leben, so ergibt sich daraus automatisch der nächste Moment. Weil wir zu wenig den Moment achten und zu sehr Vergangenes beschwören, grenzen wir unsere Zukunft aus. Langfristig planen heißt nicht die Zukunft zu machen, sondern der Moment zu sein.

1 Kommentar:

  1. Moin moin,
    Ich finde du hast da wirklich Recht. Auch ich denke, dass Erinnerungen wichtiger sind als alles anderen. Auch in "Der kleine Tag" ist es ja erst langfristig abzusehen, welcher Tag besonders war und welcher nicht. Aber wie du sagtest, wir Menschen machen sie besonders. Ich verfolge deinen Blog jetzt schon länger und finde ihn sehr interessant. Mach weiter so. :)
    Liebe Grüße,
    Sandra

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